📚 KI-Suche & der Bildungsmarkt - Teil 5 | Welche Rolle könnten unabhängige Vergleichsportale im KI-Zeitalter spielen?

06.07.2026 | von Fabian Haubner in KI Suche & Bildungsmarkt |  8 Min.
Eine 12-teilige Einordnung von Fabian Haubner. Je intensiver ich mich mit KI-Suche beschäftige, desto häufiger lese ich auf LinkedIn Kommentare wie: „Vergleichsportale werden durch ChatGPT doch überflüssig.“ „Google AI Overviews liefern die Antwort direkt – wozu braucht es dann noch Portale?“ „Das Geschäftsmodell von Vergleichsportalen gerät jetzt massiv unter Druck.“


Genau diese Diskussion begegnet mir derzeit immer häufiger. Und sie ist nachvollziehbar. Denn auf den ersten Blick wirkt es tatsächlich so, als würden KI-Systeme die Rolle von Vergleichsportalen übernehmen.

Auch ich habe mir diese Frage zu Beginn gestellt. Wenn Nutzerinnen und Nutzer ihre Antworten künftig direkt von einer KI erhalten, liegt die Vermutung nahe, dass Vergleichsportale an Bedeutung verlieren könnten.

Heute sehe ich das differenzierter. Ich glaube nicht, dass Vergleichsportale automatisch an Relevanz verlieren. Im Gegenteil: Unter bestimmten Voraussetzungen könnten sie im KI-Zeitalter sogar eine noch wichtigere Rolle spielen.

Vertrauen entsteht selten nur auf einer einzigen Website

Wenn sich Menschen für ein Fernstudium oder eine Weiterbildung interessieren, verlassen sie sich nur selten auf eine einzige Quelle.

  • Sie besuchen die Website eines Bildungsanbieters.
  • Sie lesen Erfahrungsberichte.
  • Sie vergleichen verschiedene Angebote.
  • Sie informieren sich auf unabhängigen Vergleichsportalen.
  • Sie suchen nach weiteren Meinungen.

Erst aus der Summe dieser Informationen entsteht Vertrauen.

Ich glaube, genau dieser Gedanke könnte künftig noch wichtiger werden. Denn moderne KI-Systeme versuchen ebenfalls, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und daraus eine möglichst hilfreiche Antwort zu formulieren.

Vergleichsportale schaffen Orientierung

Aus meiner Sicht besteht die Aufgabe eines Vergleichsportals nicht darin, die Website eines Bildungsanbieters zu ersetzen. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Website eines Bildungsanbieters informiert über das eigene Angebot. Ein Vergleichsportal ordnet Informationen ein, macht Angebote vergleichbar und hilft bei der Orientierung. Genau darin sehe ich den eigentlichen Mehrwert. Ein Studieninteressierter möchte häufig nicht nur wissen, wie gut ein einzelnes Angebot ist.

Er möchte verstehen,

  • welche Alternativen es gibt,
  • welche Unterschiede bestehen,
  • welche Voraussetzungen gelten,
  • welche Erfahrungen andere gemacht haben,
  • und welches Angebot am besten zu den eigenen Zielen passt.

Genau diesen Kontext schaffen Vergleichsportale. Und ich glaube, dass gerade dieser Kontext künftig noch wichtiger werden könnte.

Könnten Vergleichsportale zu wichtigen Informationsquellen werden?

Im letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, warum gut strukturierte Informationen aus meiner Sicht künftig an Bedeutung gewinnen könnten. Für mich stellt sich deshalb automatisch die nächste Frage:

Auf welche Quellen greifen moderne KI-Systeme eigentlich zurück?

Ich glaube, dass genau diese Frage in den kommenden Jahren immer wichtiger wird. Denn wenn KI-Systeme Antworten formulieren, benötigen sie Informationen. Und Informationen stammen immer aus Quellen. Aus meiner Sicht könnten unabhängige Vergleichsportale dabei eine besondere Rolle spielen. Nicht, weil sie Informationen selbst erfinden. Sondern weil sie Informationen bündeln, strukturieren, vergleichen und einordnen.

Warum plötzlich über Mentions und Citations gesprochen wird

Je intensiver ich mich mit der KI-Suche beschäftige, desto häufiger begegnen mir zwei Begriffe:

Mentions und Citations.

Beide spielen aus meiner Sicht eine spannende Rolle. Gleichzeitig sind sie für viele noch etwas abstrakt. Deshalb möchte ich sie einmal ganz einfach erklären.

Was sind Mentions?

Eine Mention bedeutet zunächst nichts anderes als eine Erwähnung.

Ein KI-System nennt beispielsweise den Namen eines Bildungsanbieters oder eines Vergleichsportals in seiner Antwort.

Zum Beispiel:

„Fernstudium Direkt zählt zu den bekannten Vergleichsportalen im Bildungsbereich.“

Oder:

„Die FernUniversität in Hagen bietet zahlreiche Fernstudiengänge an.“

In beiden Fällen wird eine konkrete Organisation erwähnt. Das bedeutet zunächst aber noch nicht, dass sie auch die Grundlage der Antwort war. Die Erwähnung zeigt lediglich, dass sie für das KI-System relevant ist. Ob die Information aus dem trainierten Wissen des Modells stammt oder über aktuelle Quellen eingeflossen ist, lässt sich aus einer Mention allein nicht erkennen.

Und was sind Citations?

Noch spannender finde ich den Begriff Citation.

Darunter versteht man vereinfacht gesagt einen expliziten Quellenhinweis. Die KI macht also kenntlich, auf welche Quelle sie sich bei ihrer Antwort stützt.

Zum Beispiel:

„Laut Fernstudium Direkt …“

oder

„Wie auf Fernstudium Direkt beschrieben …“

Hier wird die Quelle nicht nur erwähnt, sondern ausdrücklich als Grundlage der Aussage genannt.

Wer Teil 3 meiner Serie gelesen hat, erinnert sich vielleicht an die Begriffe Retrieval und Grounding. Genau hier wird der Zusammenhang deutlich: Bezieht ein KI-System externe Informationen über Retrieval ein und stützt seine Antwort darauf, kann eine Citation der sichtbare Hinweis auf diese Quelle sein.

Warum das für Vergleichsportale besonders spannend sein könnte

Genau an dieser Stelle wird es aus meiner Sicht besonders interessant.

Ich glaube, dass künftig nicht nur entscheidend sein wird, ob eine Marke oder ein Unternehmen in einer KI-Antwort erwähnt wird. Mindestens genauso wichtig könnte die Frage sein, welche Quellen KI-Systeme heranziehen, wenn sie Aussagen über diese Marke oder dieses Unternehmen treffen.

Für ein Vergleichsportal wie Fernstudium Direkt bedeutet das beispielsweise: Nicht nur unsere eigene Sichtbarkeit könnte künftig eine Rolle spielen. Entscheidend könnte vielmehr sein, ob unsere Inhalte als vertrauenswürdige Quelle dienen, wenn KI-Systeme Informationen über Fernhochschulen, Bildungsanbieter oder einzelne Studiengänge zusammenstellen.

Wenn eine KI künftig Formulierungen verwendet wie:

„Laut Fernstudium Direkt …“

oder

„Wie aus den Bewertungen auf Fernstudium Direkt hervorgeht …“

dann wäre das mehr als nur eine Erwähnung. Es wäre ein Hinweis darauf, dass unsere Inhalte zur Beantwortung der Nutzerfrage beigetragen haben. Genau deshalb glaube ich, dass Vertrauen, redaktionelle Qualität, authentische Bewertungen und nachvollziehbare Quellen künftig weiter an Bedeutung gewinnen könnten.

Fazit

Als ich begonnen habe, mich intensiver mit KI-Suche zu beschäftigen, dachte ich zunächst vor allem darüber nach, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Traffic von Websites haben könnte.

Heute sehe ich das differenzierter. Ja, KI verändert die organische Suche. Der Klick auf eine Website wird künftig vermutlich seltener der einzige Erfolgsmaßstab sein.

Gleichzeitig könnte eine neue Form der Sichtbarkeit entstehen: Inhalte gewinnen möglicherweise auch dann an Bedeutung, wenn sie nicht mehr nur Besucher auf die eigene Website bringen, sondern als vertrauenswürdige Grundlage für Antworten von KI-Systemen dienen.

Für unabhängige Vergleichsportale könnte genau darin eine Chance liegen. Wer über hochwertige Originaldaten, authentische Bewertungen, redaktionelle Kompetenz und eine hohe Reputation verfügt, könnte künftig nicht nur für Menschen, sondern auch für KI-Systeme zu einer wichtigen Informationsquelle werden.

Wichtig ist dabei eine Einordnung: In diesem Beitrag geht es bewusst um die organische Sichtbarkeit in Suchmaschinen und KI-Systemen. Bezahlte Reichweite über Google Ads, Microsoft Ads oder Meta Ads folgt anderen Mechanismen und wird durch diese Entwicklung nicht unmittelbar ersetzt. Sollten sich künftig Werbemöglichkeiten innerhalb von KI-Systemen etablieren, könnten sich auch dort neue Chancen ergeben.

Ob sich diese Entwicklung tatsächlich so fortsetzt, wird die Zeit zeigen. Ich bin jedoch überzeugt, dass Vertrauen, Originaldaten und die Fähigkeit, Informationen fundiert einzuordnen, im Zeitalter der KI-Suche weiter an Bedeutung gewinnen werden. Und genau deshalb halte ich die aktuelle Entwicklung für eine der spannendsten Veränderungen, die wir im digitalen Marketing seit vielen Jahren erleben.

Ausblick

Im nächsten Teil meiner Serie geht es um eine Frage, die aus meiner Sicht unmittelbar daran anknüpft:

Warum authentische Bewertungen künftig noch wichtiger werden könnten.

Denn wenn Vertrauen und Quellen an Bedeutung gewinnen, stellt sich automatisch die nächste Frage:

Welche Inhalte schaffen dieses Vertrauen eigentlich?

Ich glaube, dass dabei vor allem authentische Erfahrungsberichte und Bewertungen eine besondere Rolle spielen können. Sie beantworten häufig genau die Fragen, die Bildungsanbieter selbst gar nicht beantworten können – und machen Informationen dadurch für Nutzerinnen und Nutzer sowie für KI-Systeme besonders wertvoll.

👉 Zum aktuellen LinkedIn-Beitrag von mir.

Zur Serie

Teil 1: Warum ich glaube, dass sich die Suche gerade grundlegend verändert.
Warum ChatGPT, Google AI Overviews und andere KI-Systeme den Bildungsmarkt verändern könnten.

Teil 2: Warum gute Google-Rankings allein künftig nicht mehr ausreichen.
Welche Rolle SEO künftig noch spielt, warum die Meinungen zu GEO derzeit auseinandergehen und weshalb die Qualität von Inhalten immer wichtiger wird.

✅  Teil 3: Grounding, Retrieval und Chunking einfach erklärt.
Die wichtigsten Grundlagen moderner KI-Suche – verständlich erklärt und speziell auf den Bildungsmarkt übertragen.

Teil 4: Warum strukturierte Inhalte plötzlich Gold wert sind.
Warum Anbieterprofile, Kursprofile, FAQs und Bewertungen künftig eine noch größere Rolle spielen könnten und welche einfachen Maßnahmen Bildungsanbieter schon heute umsetzen können.

Teil 5: Welche neue Rolle Vergleichsportale im KI-Zeitalter einnehmen könnten.
Warum unabhängige Portale künftig weit mehr sein könnten als reine Lead-Generatoren und welche Chancen sich daraus für Bildungsanbieter ergeben.

Teil 6: Warum authentische Bewertungen wichtiger werden.
Wie echte Erfahrungsberichte Vertrauen schaffen und warum Originaldaten in Zukunft möglicherweise noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Teil 7: Anbieterprofile optimal für die KI-Suche strukturieren.
Welche Inhalte auf einem Anbieterprofil nicht fehlen sollten und wie sich mit wenig Aufwand mehr Mehrwert schaffen lässt.

Teil 8: Kursprofile als unterschätzter Erfolgsfaktor.
Warum vollständige und strukturierte Kursinformationen künftig noch wichtiger werden könnten.

Teil 9: Warum Originaldaten künftig entscheidend sein könnten.
Welche Bedeutung einzigartige Inhalte, Bewertungen und eigene Datenquellen für die Sichtbarkeit haben können.

Teil 10: Was Bildungsanbieter heute schon konkret tun können.
Die wichtigsten Sofortmaßnahmen und Quick Wins für mehr Sichtbarkeit im KI-Zeitalter.

Teil 11: Wie wir Fernstudium Direkt für die KI-Suche weiterentwickeln.
Warum wir unser Portal strategisch weiterentwickeln und weshalb wir künftig Performance und zusätzliche Mehrwerte miteinander verbinden möchten.

Teil 12: Mein Fazit – was wir aus dieser Serie gelernt haben.
Ein persönlicher Rückblick und ein Ausblick darauf, wohin sich die KI-Suche aus meiner Sicht in den nächsten Jahren entwickeln könnte.

Einordnung und Quellen

Wenn du dich intensiver mit KI-Suche, GEO und modernen Suchsystemen beschäftigen möchtest, kann ich dir folgende Quellen empfehlen. Sie haben mir persönlich in den vergangenen Monaten viele Denkanstöße gegeben.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Verlieren Vergleichsportale durch KI automatisch an Bedeutung? Ich glaube nicht.

Natürlich verändert die KI-Suche die Art und Weise, wie Menschen Informationen finden. Das bedeutet aus meiner Sicht aber nicht automatisch, dass unabhängige Vergleichsportale überflüssig werden.

Im Gegenteil. Wenn KI-Systeme Antworten aus unterschiedlichen Quellen zusammenstellen, könnten Plattformen, die Informationen bündeln, vergleichen und einordnen, sogar an Bedeutung gewinnen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Mention und einer Citation?

Eine Mention ist eine Erwähnung. Ein Anbieter oder eine Marke wird in einer KI-Antwort genannt.

Eine Citation geht einen Schritt weiter. Hier wird zusätzlich deutlich gemacht, auf welche Quelle sich die Aussage stützt.

Zum Beispiel:

"Laut Fernstudium Direkt ..."

Ich glaube, dass nachvollziehbare Quellen künftig immer wichtiger werden könnten, weil sie Vertrauen schaffen.

Bedeutet das, dass die eigene Website unwichtig wird?

Ganz im Gegenteil. Die Website eines Bildungsanbieters bleibt aus meiner Sicht die wichtigste Informationsquelle. Ich glaube allerdings, dass sie künftig nicht mehr die einzige relevante Quelle sein wird. Studieninteressierte informieren sich schon heute auf ganz unterschiedlichen Plattformen. Deshalb könnte die gesamte digitale Präsenz eines Bildungsanbieters künftig wichtiger werden als bisher.

Was würde ich Bildungsanbietern heute empfehlen?

Ich würde die eigene Präsenz nicht isoliert betrachten. Neben der Website würde ich auch darauf achten, dass Informationen auf vertrauenswürdigen Plattformen vollständig, aktuell und konsistent sind. Denn Studieninteressierte informieren sich schon heute an vielen verschiedenen Stellen. Und möglicherweise gilt das künftig auch für moderne KI-Systeme.