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MBA-Abschlüsse ohne Abitur und Bachelor möglich?

17. Mai 2017 von Christian in Blog

Der Titel des MBA steht für „Master of Business Administration“. Personalleiter, die bei Bewerbungsunterlagen diesen Titel sehen, verbinden mit den Kandidaten gemeinhin den typisch akademischen Weg vom Abitur über den Bachelor zum Master. Doch Vorsicht ist bei MBA-Abschlüssen geboten, die in Österreich erworben wurden.

Unterschied bei Master-Graden in österreich

Das Österreichische Wissenschaftsministerium schreibt dazu: „Die Master-Grade in der Weiterbildung sind nicht identisch mit den Master-Graden aufgrund des Abschlusses ordentlicher Studien (Master-Studien), auch wenn sie zum Teil denselben Wortlaut haben.“

Es ist also grundsätzlich in Österreich möglich, über eine Weiterbildung einen Master-Abschluss zu erlangen, ohne zuvor das Matura oder Abitur oder einen akademischen Bachelor-Abschluss erworben zu haben. Absolventen, die ihre Lebensbiografie mit so einem Master-Titel aufhübschen, haben damit Vorteile gegenüber jenen, die per Fernstudium oder Studium mühsam und zeitaufwändig studiert haben und erste über den Bachelor-Abschluss zu ihrem Master gekommen sind. Im Titelgrad selbst ist dieser Unterschied leider nicht zu erkennen.

Weiterbildungsmaster mit ausländischer Kooperation

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In den letzten Jahren ist viel über die McDonaldisierung der Hochschullandschaft geschrieben worden. Franchise-Modelle, bei denen nicht-akademische Weiterbildungsanbieter in Kooperation mit Hochschulen und Fachhochschulen Studiengänge anbieten, sind sehr konträr diskutiert worden. Im Kern laufen die Franchise-Modelle so, dass die nicht-akademischen Weiterbildungsanbieter mit einer anerkannten Hochschule oder Fachhochschule eine Kooperation eingehen, bei der die ersteren die Studienorganisation, das Curriculum und die Prüfungen praktisch durchführen, während letztere nur die Qualität sowie die Gleichwertigkeit des Studienganges überprüfen und den akademischen Titel verleihen. Das dürfen nicht-akademische Weiterbildungsanbieter schließlich nicht.

Das Alleinstellungsmerkmal, den akademischen Grad verleihen zu dürfen, monetarisieren Hochschulen und Fachhochschulen mittlerweile allzu gern. Mit dieser Möglichkeit halten sich einige Hochschulen, die seit langem in Deutschland defizitär arbeiten, gerade noch über Wasser. Immerhin überwachen die Hochschulen in Deutschland im Rahmen der akademischen Selbstverwaltung aber noch die Qualität der Weiterbildungsanbieter.

Über das Fernstudium Qualitätsstandards umgehen

In Österreich liegt dagegen der Fall etwas anders. Auch hier findet seit 2013 endlich eine zentrale Qualitätsüberprüfung statt, die sich mit Qualitätskriterien der Lehre oder der Eignung der Lehrenden befasst. Zuständig dafür ist die „Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria“. Österreichische Weiterbildungsanbieter müssen seither Kooperationen mit anerkannten Hochschulen eingehen, die bei der Agentur nachweisen müssen, dass sie internationale akademische Standards einhalten. Aber über die Deklarierung eines Fernstudiums ohne Präsenzphasen lässt sich diese aufwändige und kostspielige Prozedur der Qualitätsprüfung immer noch umgehen.

Diese Lücke nutzen neuerdings ausländische Hochschulen aus. Und so können Kandidaten ohne einen vorherigen relevanten Abschluss in Österreich zum MBA kommen. Mit Hilfe von Hochschulen aus Zypern oder Deutschland.

Fairness auf dem mobilen Arbeitsmarkt

Fälschungen, Plagiate oder auch erkaufte Promotionstitel hat es immer schon gegeben. Da, wo Wettbewerb herrscht, muss man immer eben auch mit Mogeleien rechnen. Hier aber ist das Tückische, dass man bei der Titelvergabe auf den ersten und zweiten Blick nicht die Unterschiede in der Qualität der Ausbildung erkennen kann. Und es herrscht auch kein Betrug vor, sondern alles ist von den österreichischen Gesetzen gedeckt. Was sollen Personaler also bei Sichtung solcher Abschlüsse tun?

Erst bei weiteren Recherchen oder Nachfragen beim Anbieter kann man Aufschlüsse bekommen. Und genau da rechnen viele eben damit, dass sich in heutigen Zeiten kein Personaler mehr dafür die Zeit nimmt. Deswegen ist es umso wichtiger, über solche Entwicklungen zu informieren.

In Deutschland wäre eine solche Umgehung derzeit nicht möglich. Aber auch hier zeichnen sich langsam Lücken bei Kontrollen ab, wenn es um das Thema Akkreditierung und Qualitätsstandards von Hochschulen geht. Man sollte also in Deutschland keineswegs die Nase über den Nachbarn im süden rümpfen. Umso mehr gilt, dass sich bei der Wahl der Fernhochschule Interessenten möglichst genau über die Anbieter und ihren Ruf informieren als auch Erfahrungsberichte lesen.

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