Studium begonnen, Lernplan erstellt und ab jetzt wird natürlich jede Woche fleißig gelernt. Die Realität? Die Prüfung ist plötzlich nächste Woche, das Skript noch nicht durchgearbeitet und der Lernplan wurde seit drei Monaten nicht mehr angesehen. Ein Studium läuft eben nicht immer so, wie man es ursprünglich geplant hat. Prüfungen werden verschoben, Hausarbeiten bis zur letzten Minute aufgeschoben und manchmal fragt man sich zwischendurch ganz grundsätzlich, warum man sich das eigentlich antut. Trotzdem kann schnell der Eindruck entstehen, bei allen anderen würde es besser laufen.
Dabei gehören auch Prokrastination, Motivationsprobleme, Selbstzweifel und Rückschläge zum Studienalltag. Zeit also, auch über die Dinge zu sprechen, die vielleicht nicht unbedingt im Lebenslauf oder auf LinkedIn landen.
„Alle anderen bekommen ihr Studium besser hin als ich“
Die Kommilitonin ist mit ihrer Hausarbeit schon fertig, während du noch nach einem Thema suchst. Auf LinkedIn verkündet jemand stolz den erfolgreichen Abschluss und auf Instagram sieht selbst die Prüfungsphase irgendwie produktiv aus. Sich mit anderen zu vergleichen, passiert da schnell.
Was dabei leicht vergessen wird: Du siehst meistens nur einen kleinen Ausschnitt. Ob jemand eine Prüfung zweimal schreiben musste, seit Wochen mit einer Hausarbeit kämpft oder schon einmal darüber nachgedacht hat, das Studium abzubrechen, ist von außen kaum sichtbar. Gerade im Fernstudium kann dieser Eindruck noch verstärkt werden. Wer überwiegend alleine lernt und weniger direkten Kontakt zu Kommiliton:innen hat, bekommt schließlich auch weniger von deren Schwierigkeiten mit. Dass dein Studium nicht immer perfekt läuft, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass alle anderen besser zurechtkommen.
Warum prokrastinieren wir im Studium?
Prokrastination dürfte vielen Studierenden bekannt vorkommen. Besonders große, unangenehme oder unübersichtliche Aufgaben können dazu verleiten, den Einstieg immer weiter aufzuschieben. Aus „Ich habe noch genug Zeit“ wird dann irgendwann „Warum habe ich nicht früher angefangen?“. Was helfen kann, ist die Aufgabe möglichst konkret und überschaubar zu machen. Statt dir vorzunehmen, heute „für die Prüfung zu lernen“, kannst du beispielsweise ein bestimmtes Kapitel bearbeiten. Statt „Hausarbeit schreiben“ steht zunächst nur die Literaturrecherche für einen Unterpunkt auf der To-do-Liste. Der Berg verschwindet dadurch zwar nicht, aber der nächste Schritt wird deutlich kleiner.
Was tun, wenn die Motivation fürs Studium fehlt?
Zu Beginn eines Studiums ist die Motivation häufig groß: neues Studium, neue Ziele, vielleicht sogar ein neuer Lernplan. Einige Monate oder Semester später kann das schon ganz anders aussehen. Besonders bei einem Fernstudium muss das Lernen dauerhaft neben andere Lebensbereiche passen. Nach einem langen Arbeitstag noch das Skript aufzuschlagen oder am Wochenende an einer Prüfungsleistung zu sitzen, fällt nicht jeden Tag leicht. Motivation ist deshalb keine Konstante. An weniger motivierten Tagen können Routinen und realistische Ziele wichtiger sein als der Versuch, sich irgendwie zu maximaler Produktivität zu zwingen.
Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn die Motivation über einen längeren Zeitraum fehlt. Ist es gerade einfach eine stressige Phase? Ist dein Zeitplan zu ambitioniert? Überfordert dich eine bestimmte Prüfungsleistung? Oder zweifelst du grundsätzlich an deiner Studienentscheidung? Nicht jedes Motivationstief bedeutet direkt, dass das gesamte Studium infrage gestellt werden muss.
Durchgefallen im Studium: Und jetzt?
Eine schlechte Note oder eine nicht bestandene Prüfung kann sich erst einmal ziemlich bescheiden anfühlen. Gerade wenn viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung geflossen sind, kommen schnell Selbstzweifel auf: Bin ich überhaupt gut genug für das Studium? Eine einzelne Prüfungsleistung sagt jedoch zunächst einmal aus, dass diese Prüfung zu diesem Zeitpunkt nicht so funktioniert hat wie erhofft. Statt den Rückschlag direkt auf das gesamte Studium zu übertragen, kann es deshalb helfen, genauer hinzuschauen: War die Vorbereitung ausreichend? Hat die Lernmethode funktioniert? Gab es Verständnisprobleme? Oder war der Zeitplan vielleicht schlicht zu knapp?
So lässt sich aus einem Rückschlag im besten Fall ableiten, was beim nächsten Versuch anders laufen kann. Eine schlechte Prüfung muss damit nicht automatisch etwas über den weiteren Studienverlauf aussagen.
Selbstzweifel im Studium: „Vielleicht bin ich einfach nicht dafür gemacht“
Selbstzweifel können auch ganz unabhängig von einer schlechten Note auftreten. Je anspruchsvoller die Inhalte werden, desto schneller kann das Gefühl entstehen, nicht genug zu wissen oder den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Dabei ist ein Studium genau dafür da, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen, die vorher noch nicht vorhanden waren. Nicht jedes Thema sofort zu verstehen, bei einer Aufgabe festzustecken oder Unterstützung zu benötigen, steht deshalb nicht im Widerspruch zum Studieren.
Wenn Selbstzweifel allerdings dazu führen, dass du dich gar nicht mehr an Aufgaben herantraust oder dich dauerhaft unter Druck setzt, kann der Austausch mit anderen helfen. Das können beispielsweise Kommiliton:innen, deine Betreuung oder die Studienberatung deiner Hochschule sein.
Warum sollten wir mehr über Probleme im Studium sprechen?
Erfolge zu teilen, macht Spaß. Die bestandene Prüfung, die abgegebene Thesis oder endlich das Abschlusszeugnis in der Hand: Natürlich sind das die Momente, die wir gerne zeigen. Dadurch kann allerdings ein ziemlich einseitiges Bild davon entstehen, wie Studieren tatsächlich aussieht. Denn zwischen Studienstart und Abschluss liegen eben auch Lernstress, Prokrastination, schlechte Noten, Selbstzweifel und vielleicht die eine oder andere Entscheidung, auf die man im Nachhinein nicht mehr ganz so stolz ist. Wenn auch über diese Erfahrungen gesprochen wird, wird sichtbar, dass viele vermeintlich individuelle Probleme auch andere Studierende kennen.
Und genau deshalb wollten wir dieses Mal von euch wissen, was bei euch im Studium vielleicht nicht ganz nach Lehrbuch gelaufen ist. 👀
Eure (Fern-)Studium-Beichten bei Fernstudium Talk
Für die neue Folge von Fernstudium Talk haben wir euch nach euren ganz persönlichen (Fern-)Studium-Beichten gefragt. Was wurde bis zur allerletzten Minute aufgeschoben? Welche Dinge würdet ihr heute vielleicht anders machen? Und welche Geschichten aus eurem Studium erzählt man normalerweise eher nicht jedem?
Ihr habt gebeichtet und Nina von Fernstudium Direkt und Lars aka der Studienflüsterer sprechen darüber (natürlich anonym 😉). Welche Beichten uns erreicht haben, möchten wir hier aber noch nicht verraten. Dafür musst du schon selbst reinhören.
🎙️ Fernstudium Talk #5:
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