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Ausländische Fachkräfte

25. Juli 2017 von Christian in Hanebüchen

Wir brauchen Fachkräfte. Wir brauchen Zuzug aus dem Ausland. Wir brauchen junge Menschen mit Qualifikationen, die sie in Deutschland gut einsetzen können und die ihnen eine Perspektive und eine neue Heimat geben können. Die Zeichen für ausländische Fachkräfte stehen heute anscheinend besser denn je. Endlich haben sie eine faire Chance auf die Anerkennung ihrer Bildungsleistungen. Noch vor wenigen Jahren sperrte sich Deutschland dagegen, die von Fachkräften im Ausland erworbenen Qualifikationen auf Gleichwertigkeit überhaupt zu prüfen. Jetzt weist das Bildungsministerium des Bundes auf ihrer häufig abgerufenen Site (https://www.bmbf.de/de/anerkennung-auslaendischer-berufsqualifikationen-1091.html) eigens auf die Möglichkeit der Prüfung hin. Fünf Jahre nach Einführung des Gesetzes ist es Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Und die fällt erstaunlich schlecht aus.

Ich bin arzt und kein Pflegeassistent

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Etwa 13200 im Ausland erworbene Berufsqualifikationen wurden in Deutschland im Jahr 2014 anerkannt. Ursprünglich sollten es 300 000 pro Jahr sein. Die Geschichte von Halid A. (Name geändert) steht dabei stellvertretend für die Hürden, die es zu überwinden gilt. Halid A. entschied sich 2015 als Arzt, Syrien zu verlassen, nachdem Bomben das Krankenhaus trafen, in dem er arbeitete. Als er das Land verließ, packte er Hab und Gut zusammen, überquerte die türkische Grenze und flog schließlich von Istanbul nach Frankfurt. Das war im November 2015. Halid war sich durchaus bewusst, dass er privilegiert war. Nach zwei Unterkunftswechseln landete er schließlich in Nordrhein-Westfalen. 

Halid wollte so schnell als möglich wieder als Arzt arbeiten, lernte fleißig Deutsch. Als der Sozialarbeiter einer Flüchtlingsberatung endlich die Geschichte von Halid A. hörte, seine Papiere und Qualifikationen sah, unternahm er erste Telefonate, sprach mit der Ärztekammer. Hier erfuhr man, dass Halid alle Papiere übersetzen lassen müsste und schnellstmöglich dann Deutschkenntnisse auf dem Niveau von B1-/B2 erreichen müsse. Der Sozialarbeiter und Halid erschraken, als sie hörten, dass der Übersetzer für die Übersetzung der Papiere  mehr als 1000 Euro verlangte. Geld, das weder Halid noch andere qualifizierte Neuankömmlinge haben. Und nach dem A1-Sprachkurs in Deutsch im Frühjahr 2016 war auch erst einmal Schluss, weil es mangels Dozenten keine Folgekurse gab. Seit einem Monat arbeitet Halid immerhin als Pflegeassistenz, weil er Geld gespart hatte, die ersten Qualifikationen auf Papier übersetzen zu lassen. Frustriert ist er dennoch.

Das Problem mit dem Berufsfeststellungsgesetz

Das Wort "Berufsfeststellungsgesetz" ist schon eine Krake, aber das Beispiel von Halid betrifft eben leider auch viele andere Zuwanderergruppen, die leider so unterhalb ihrer eigenen Qualifikation arbeiten. Etwa vier Jahre vergehen durchschnittlich, bis Einwanderer und Neubürger überhaupt ihren ersten Antrag auf die Feststellung ihrer Qualifikationen stellen. Noch immer komplizierte Verfahren und wenig transparente Kriterien bei der Vergleichbarkeit und den anschließenden Bewertungen bzw. Anerkennungen von Teilleistungen erschweren den Prozess der Integration enorm. Neben dem Gefühl, im neuen Land nicht die Wertigkeit wie im Herkunftsland zu besitzen, schlagen wir Deutschen uns selbst damit. Denn ganz häufig handelt es sich eigentlich um qualifizierte Fachkräfte, die uns heute schon fehlen. Was bei Ausbildern und Unternehmen trotz zahlreicher Förderungen und Initiativen darüber hinaus fehlt, ist Geduld und entsprechende Personalkapazitäten. In der Warteschlange des immer zu wichtigen Tagesgeschäfts bleibt unsere Zukunft ein wenig hängen. Es ist zu hoffen, dass hier bald alle an einem Strang ziehen. Die Integration von ausländischen Fachkräften ist nicht auf Knopfdruck zu bekommen. Aber wie gut oder wie schlecht sie verläuft, wird unsere Zukunft und das Klima in Deutschland maßgeblich mitbestimmen.

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