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Duales Studium - Duale Ausbildung - Fernstudium

27. Juni 2017 von Christian in Hanebüchen

Duales Studium als duale Ausbildung? Das gab es so vor zwanzig Jahren noch nicht in dieser Angebotsbreite. Von der Deutschen Telekom bis zur Porsche AG - alle großen Unternehmen bieten jungen Menschen mit dualen Studiengängen hervorragende Zukunftsperspektiven an.  Die erweiterte Alternative, mit Unterstützung eines Unternehmens und mit dem Bachelor einen ersten, zukunftsorientierten Studienabschluss zu erlangen - das ist allerdings noch recht neu. Ich kann mich erinnern, dass um die Jahrtausendwende erste mittelständische Unternehmen damit begannen, Konzepte für duale Studiengänge in Kooperation mit Fachhochschulen zu entwickeln. Was ist daraus geworden? Was sagen mittelständische Unternehmen zu der Entwicklung? Und wie sind die Erfahrungen junger Menschen mit dualen Studiengängen?

Mittelständische Unternehmen und ihre Fachkräfte

Bis 2014 haben sich nur 4 % aller Abiturienten für ein Duales Studium entschieden. Seitdem sind weitere drei Jahre vergangen, aber eines lässt sich jetzt beobachten: Keine andere Studienform wächst derzeit so schnell. Und das liegt daran, dass große und mittelständische Unternehmen immer frühzeitiger junge Fachkräfte an sich binden wollen und sich teils überbieten, wenn es darum geht, den Führungskräften von morgen Benefits zu bieten. Offenbar mit Erfolg.

Nach den geburtenstarken Jahrgängen bis 1964 kam der Pillenknick, und ausgerechnet die kinderreichen Generationen bis 1964 werden in zehn Jahren nach und nach in die Rente verschwinden. Das bedeutet besonders für mittelständische Unternehmen, die einen peripheren Standort auf dem platten Land  haben, Alarmstufe Rot. Sie fürchten um ihre Existenz, denn Erfahrungswissen muss aufgebaut werden, und Experten werden nicht an einem Tag geboren. Daher zeigen viele Unternehmen mittlerweile ein erhöhtes Interesse daran, wie die Y-Generation so tickt. Allein daran kann man erkennen, dass sich der Arbeitsmarkt zu drehen beginnt. Während vor wenigen Jahren noch junge Menschen nach ihrem Studienabschlüssen befristete Verträge erhielten oder unbezahlte Praktika leisteten, ändern sich die Vorzeichen. Jetzt laufen Unternehmen diesen Akademikern hinterher.

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Was sagen junge Leute und Unternehmen zum Dualen Studium?

Die Erfahrungen, die junge Leute schon früh im Dualen Studium machen, sind gemischt. Die positive Bewertung überwiegt erst im Rückblick, denn die Doppelbelastung von Theorie und Praxis ist nicht zu verharmlosen. Meist in einem 3-Monats-Rhythmus wechseln die Studenten und Auszubildenden zwischen Hochschule und Unternehmen. Das Programm hat es in sich. Aber eines sagen später nahezu alle jungen Leute, die es geschafft haben: "Man lernt schnell, sich zu organisieren. Und man wächst schneller in Führungspositionen hinein." Die Akzeptanz in einem Unternehmen wächst mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Es gibt unter den jungen Wilden aber auch durchaus negative Stimmen, die von großen Problemen berichten, was die Kooperation von Hochschulen, Fachhochschulen und Unternehmen angeht. Mangelnde Betreuung der Auszubildenden sowie eine schlechte Abstimmung über die Ausbildungsinhalte zwischen allen Beteiligten hört man als häufigste Klage. Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass jedes Unternehmen sich akademische Ausbildungsinhalte wünscht, die die Welt des Unternehmens hundertprozentig abbildet. Allzu schnell ist nämlich in Unternehmen das Gerede über die jungen Akademiker groß, die an den Hochschulen nur blasse Theorie lernen.

Warum sich eine Konzeptoffensive zu Dualen Studienangeboten lohnt

Ich halte eine breitere Diskussion über duale Studienkonzepte für dringend notwendig. Wenn Deutschland weiterhin ein maßgeblicher Wirtschaftsstandort bleiben will, dann ist es höchste Zeit, über die Öffnung von Hochschulen zu mehr Praxis zu reden und eine Förderung seitens der Politik zu fordern, die es Unternehmen leichter macht, den gehörigen Personalaufwand bei der Betreuung zu leisten. Es geht dabei eben nicht darum, die Ressource Mensch frühestmöglich in die ökonomische Nutzenkette zu bringen, sondern darum, jungen Menschen frühestmöglich eine stabile Perspektive zu bieten, die ihnen zeitnah Wertschätzung und die Möglichkeit einer Familiengründung bietet. Duale Studiengänge verlangen enorm viel vom Nachwuchs, geben ihm aber auch nachhaltiges Wachstum und Stabilität.

Führende Mittelständler fordern zu Recht, dass die Bedingungen für duale Studiengangkooperationen verbessert werden müssen und die Bildungspolitik sich hier weiter öffnen muss. Hochschulen und Fachhochschulen neigen in der zunehmenden Selbstverwaltungshoheit dazu, sich praktischen und einfachen Kooperationswegen mit der Wirtschaft zu verschließen. Dahinter steckt meistens die Begründung, dass Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit autark bleiben muss. Die Unabhängigkeit der Lehre allein ist aber noch kein Qualitätsmerkmal, sondern die Praxisorientierung der Ausbildungsinhalte. Und die sind leider immer noch maßgeblich vom Personal einer Hochschule abhängig. Hier aber drückt der Schuh. Selten begeben sich Fachkräfte der Wirtschaft nach vielen Jahren Berufsleben noch an die Uni. Dem überwiegenden Teil des Personals an Hochschulen mangelt es daher noch immer an reichhaltigen Berufserfahrungen außerhalb der Universität. Das drückt sich eben in einer theorielastigen Lehre aus.

Kombination Duales Studium und Fernstudium

Zukunftsweisend sind nunmehr Modelle, die eine Kombination aus Ausbildung und Fernstudium darbieten. Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Spezialwissen ist nicht immer regional greifbar. So lassen sich überregionale Kooperationen zwischen Hochschulen, Fachhochschulen und Unternehmen bilden, die zum Vorteil aller gereichen. Unternehmen profitieren von der Bindung der Auszubildenden an Unternehmen und Region. Und Hochschulen und Fachhochschulen bekommen dadurch die nötige Praxisanbindung. Chefetagen und Personalabteilungen sollten zukünftig ganz besonders auf dieses Thema achten und hier tätig werden. Diese Kombinationsmöglichkeit wird schon bald nicht mehr allein von privaten Hochschulen geboten. Viele Hochschulpräsidenten haben erkannt, dass man den akademischen Nachwuchs heute wesentlich flexibler dort abholen muss, wo sein Talent liegt und wo sich berufliche Schwerpunkte dafür herauskristallisieren.

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