Betreuung & Kommunikation
Als ich mein Fernabitur bei der SGD begonnen habe, war ich zunächst wirklich begeistert. Die Idee, flexibel von zu Hause aus auf das Abitur hinzuarbeiten, klang perfekt. Leider wurde aus der anfänglichen Begeisterung mit der Zeit eher eine Lektion in Geduld, Eigeninitiative und gelegentlichem Kopfschütteln.
Für 159 € im Monat hätte ich ehrlich gesagt etwas mehr Unterstützung erwartet. Stattdessen hatte ich oft das Gefühl, dass manche Einsendeaufgaben eher im Schnellverfahren korrigiert wurden. Teilweise fragte ich mich, ob mein Lehrer und ich überhaupt dieselbe Aufgabe vor uns hatten. Besonders frustrierend war dabei, dass die Korrekturen trotz des Eindrucks einer eher oberflächlichen Bearbeitung teilweise trotzdem sehr lange gedauert haben. Gerade in den Sprachen ließ die Hilfestellung häufig zu wünschen übrig. Am Ende waren Stark-Hefte, YouTube-Videos und alte Abiturklausuren oft die besseren Lehrer – und die wollten nicht einmal 159 € im Monat von mir.
Besonders spannend war auch die Kommunikation. Telefonisch jemanden zu erreichen, war oft ein kleines Abenteuer. Man hat angerufen und wusste nie so genau, ob man gleich durchkommt, weitergeleitet wird oder in der Warteschleife langsam eine neue Lebensphase beginnt. Wenn man dann tatsächlich jemanden erreicht hat, wurde man häufig weitergeleitet oder auf einen Rückruf vertröstet. Besonders positiv hervorheben möchte ich Herrn Kind, der sich zumindest immer bemüht hat zu helfen. Auch wenn manche Rückrufe etwas länger gedauert haben, hatte man bei ihm wenigstens das Gefühl, dass einem wirklich geholfen werden soll.
Bei anderen Gesprächen hatte ich dagegen oft den Eindruck, dass die Mitarbeiter selbst nicht genau wussten, welche Informationen eigentlich richtig sind. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Aussage, das Prüfungsvorbereitungsseminar sei verpflichtend. Diese Information stand sogar in einem Informationsheft. Vor Ort stellte sich dann heraus: Überraschung, ist es gar nicht. Da fragt man sich natürlich, ob die Informationshefte nur gesammelt werden, um später als historisches Dokument archiviert zu werden.
Überhaupt scheinen Informationen bei der SGD manchmal ein Eigenleben zu führen. Je nachdem, wen man fragt, bekommt man unterschiedliche Antworten. Das sorgt zwar für Abwechslung, hilft bei der Planung allerdings eher weniger.
Fairerweise möchte ich auch etwas Positives erwähnen: Die gelegentlich angebotenen Online-Unterrichtsstunden waren teilweise wirklich hilfreich, insbesondere in Mathematik. Dort hatte man die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Themen gemeinsam durchzugehen. Leider fanden diese Termine oft unregelmäßig statt und wurden nicht in allen Fächern angeboten. Gerade hier sehe ich großes Potenzial, das Angebot auszubauen, da viele Teilnehmer von regelmäßigem Online-Unterricht sicherlich profitieren würden.
Zusätzlich habe ich bei der SGD den Lehrgang Hochzeits- und Veranstaltungsplaner absolviert. Dort sind plötzlich sämtliche Einsendeaufgaben aus dem System verschwunden. Trotz Teilnahme am Abschlussseminar habe ich bis heute kein Zertifikat erhalten. Auf die Klärung des Problems und den versprochenen Rückruf warte ich ebenfalls bis heute. Vielleicht wurden meine Daten inzwischen einfach in den „Bitte später zurückrufen“-Ordner verschoben.
Ein weiteres Highlight war das Prüfungsvorbereitungsseminar in Darmstadt. Die Werbung vermittelt den Eindruck einer realistischen Abitursimulation. Tatsächlich hatten die Klausuren mit echten Abiturprüfungen ungefähr so viel gemeinsam wie Mario Kart mit der praktischen Füherescheinprüfung. Typische Elemente der Abiturprüfungen fehlten komplett. Stattdessen wurden in kürzester Zeit möglichst viele Themen durchgearbeitet. Fragen waren zwar erlaubt, allerdings musste man dafür erst einmal mit dem Tempo mithalten.
Nach Hotelkosten, Anreise und mehreren Tagen Zeitaufwand war die Enttäuschung entsprechend groß. Rückblickend war die wertvollste Vorbereitung auf das Abitur vermutlich die Erkenntnis, dass ich mich besser selbst vorbereiten sollte.
Auch die Einsendeaufgaben empfand ich häufig als wenig repräsentativ für das tatsächliche Abiturniveau. Teilweise wurden Leistungen recht großzügig bewertet, was zwar kurzfristig gut fürs Ego ist, spätestens in den echten Prüfungen aber nicht unbedingt weiterhilft. Gegen Ende habe ich daher kaum noch Einsendeaufgaben bearbeitet und stattdessen mit Original-Abiturklausuren und Stark-Heften gelernt. Das war deutlich näher an der Realität.
Ich habe an meiner Prüfungsschule mehrere andere SGD-Schüler kennengelernt habe, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auch in verschiedenen WhatsApp-Gruppen wurden genau diese Themen regelmäßig diskutiert. Offenbar bin ich also nicht der einzige Mensch, der gelegentlich das Gefühl hatte, dass zwischen Anspruch und Realität manchmal eine gewisse Lücke liegt.
Dabei hat die SGD eigentlich großes Potenzial. Das Konzept des Fernabiturs ist hervorragend und bietet vielen Menschen überhaupt erst die Möglichkeit, das Abitur nachzuholen. Umso schade ist es, wenn die Organisation, Kommunikation und Betreuung diesem Anspruch nicht gerecht werden.
Mein Rat an zukünftige Teilnehmer: Besorgt euch frühzeitig Stark-Hefte, arbeitet mit Original-Abiturklausuren und verlasst euch nicht ausschließlich auf die Einsendeaufgaben. Das erspart möglicherweise einige Überraschungen.
Mein Fazit: Die SGD könnte mit einigen Verbesserungen eine wirklich sinnvoll sein. Solange jedoch Informationen je nach Ansprechpartner variieren, Rückrufe teilweise ein Geduldsspiel sind und Teilnehmer viele Probleme selbst lösen müssen, bleibt leider viel Potenzial ungenutzt.
Mein Abitur habe ich inzwischen mit soliden Ergebnissen bestanden, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die Vorbereitung letztlich durch eigene Arbeit und externe Materialien entstanden ist.
Betreuung & Kommunikation
Unglaublich wie veraltete die Texte in den Materialien sind. Zum Teil vor 16 Jahren erstellt, Handelsabkommen und Gesetze, die es zum Teil schon gar nicht mehr gibt. Ich war schockiert und enttäuscht. Zudem ist das Material nicht gerade ansprechend aufgewertet. Nur Hefte, bis auf eine Lektion keine Videos und selbst die mp3 zu den Texten sind nahezu unbrauchbar (vermutlich erste Generation einer Sprachsoftware) bzw zum Teil gar nicht vorhanden.
Ein Tag des Online-Seminars musste sehr kurzfristig verschoben wurde, weil die Dozentin nicht erschien. Keine Erklärung oder Entschuldigung, aber dafür war ein Urlaubstag weg.
geschrieben am 12.10.2026
Lieber Michael,
vielen Dank für Ihr Feedback auf diesem Wege. Wir bedauern es sehr, dass Sie mit Ihrer Fortbildung bei uns so unzufrieden waren. An der Medienvielfalt arbeiten wir mit Hochdruck, und auch eine Aktualisierung ist bereits in Arbeit. Dass es zudem eine so kurzfristige Verschiebung beim Online-Seminar gekommen ist, durch die Sie persönliche Nachteile erlebt haben, tut uns leid.
Wir möchten Sie ermuntern, sich noch einmal persönlich bei uns zu melden. Uns ist es wichtig, konstruktive Kritik so konkret wie möglich zu erhalten, um alle Hintergründe richtig einzuordnen und entsprechend reagieren zu können.
Bitte melden Sie sich parallel einmal direkt bei mir unter mareike.bergmann[at]sgd.de – dann verabreden wir bei Bedarf auch gern einen Telefontermin.
Herzliche Grüße
Mareike Bergmann
Teamleitung Studienservice