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Mit 30 beruflich neu anfangen?

03. Februar 2015 von Fabian Haubner in Tipps & Ratgeber

Die Kollegen nerven, der Chef ist völlig überbewertet und der Arbeitsalltag ist anstrengend?

So geht es vielen, die mit Ihrer Arbeit nicht zufrieden sind und mit dem Gedanken an einen Karrierewechsel spielen. Doch es ist ein Unterschied, ob man mit den äußeren Umständen oder aber mit dem Beruf an sich unglücklich ist. Letzteres ist sicherlich der weisere Grund, umzusatteln.

Aber es funkioniert auch anders herum: Es reicht nicht, bei der selben Stelle zu bleiben, nur weil das Team nett ist, das Weihnachtsgeld bequem und die Urlaubstage auch geregelt. Wer unglücklich mit seinem Beruf ist, kann sich das auch mit solchen externen Faktoren nicht ewig schön reden.

Heutzutage sieht der Lebenslauf des Einzelnen oft anders aus als bei den vorherigen Generationen. Kaum einer bleibt noch 40 Jahre in der selben Anstellung. Auch ist es heutzutage besser möglich, noch einmal kehrt zu machen und umzusatteln. Die Chefs sind offenerer geworden und erwarten nicht mehr der gradlinigen Lebenslauf – auch wenn dieser immer noch als Idealfall gilt. Aber als Idealfall gilt es auch, kein Magengeschwür und kein Burn-Out zu bekommen, weil man sich so unwohl mit seinem Beruf fühlt.

Kaum jemand legt sich noch mit 18 beruflich fest

Bei der Berufswahl direkt nach der Schule haben viele unterschiedliche Einflüsse eine Rolle gespielt. Oft waren es die Familie, Freunde oder vermeintliche Berufsaussichten, die die letztendliche Entscheidung geprägt haben. Die Charakterfestigkeit, die sich erst mit der Zeit voll entwickelt, ist einem typischerweise als frischer Schulabgänger noch fern. Entsprechend sind die Zweifel an der Berufswahl nach einigen Jahren nichts Ungewöhnliches. Denn die Entscheidung, die man mit Anfang 20 oder sogar erst mit 18 Jahren getroffen hat, ist gute zehn Jahre später noch lange nicht mehr zwingend die richtige.

Dennoch tut man sich oft schwer, aus dem gewohnten Trott auszubrechen. Denn dass eine Weiter-oder Umbildung immer mit Unbequemlichkeiten verbunden ist, ist klar. Sonst würde man auch nicht so lange zögern. Auch ist ein Azubi- bzw. Studentenleben nach einiger Zeit sicherlich eine ganz eigene Herausforderung und man muss seine Ansprüche erst mal herunterschrauben. Doch es zahlt sich aus, die Zähne zusammenzubeißen.

Je nach Möglichkeit hat man sich ein finanzielles Polster angespart, das den Übergang sanfter macht. Leichter macht es auch der Umstand, dass man viel zielgerichteter und bewusster studiert bzw. sich ausbilden lässt. Denn wer erst einmal rund 10 Jahre den falschen Beruf ausgeübt hat, für den sind drei oder mehr zusätzliche Ausbildungsjahre für eine Karriere, die ihm wirklich am Herzen liegt, kein Thema mehr. Schließlich investiert man ja auch in seine Zukunft und vor allem in eine erhöhte Lebensqualität. Auch sind wegen diesem bewussten Auswählen die Chancen größer, in seiner neuen Karriere erfolgreicher und zufriedener zu sein.

Wann passt der Neustart am besten?

Der Karrierewechsel sollte auch zu einem richtigen Zeitpunkt kommen. Hat man noch nicht schwerwiegende finanzielle Verpflichtungen wie Haus und Kinder, dann ist man immer noch ungebunden genug, den Kurs zu ändern. Auch sollte man sich im Klaren darüber sein, was man im zweiten Anlauf besser machen will. Welche Motivation hat man, was hat einen schon immer interessiert und wo möchte man hin?

Die gute Nachricht: Wenn es mit der zweiten Karriere doch nicht so klappen will, hat man immer noch die erste Ausbildung in der Tasche. Dadurch ist ein Karrierewechsel gar nicht so risikobehaftet, wie es sich zunächst anhört. Denn man hat immer noch die Möglichkeit – wenn auch zähneknirschend - in seinen alten Beruf zurück zu kehren. Wem ein kompletter Berufswechsel zu radikal ist oder wer ihn nicht umzusetzen möchte, kann über Zusatzqualifikationen nachdenken, die den Karriereweg in eine abgeänderte aber noch fachrelevante Richtung lenken. Auch hier lohnt es sich, offenen Auges seine Möglichkeiten zu prüfen.

Neben dem Beruf neu orientieren?

Unter Umständen lässt sich ein Studium gut mit der aktuellen Lebenssituation vereinbaren. Kann man nicht direkt auf die Uni, sondern möchte erst einmal im Beruf bleiben, gibt es noch die Möglichkeit des Fernstudiums oder der Abendschule, um sich umzuorientieren und nebenbei noch den einen ähnlichen Lebensstandart beizubehalten. Natürlich ist das bei einigen Studiengängen oder Ausbildungen leichter zu realisieren als bei anderen. Medizin nebenbei zu studieren, wird eher unrealistisch sein. Für die Art der Umbildung sind viele Faktoren von Interesse: Was möchte ich tun? Was und wie kann ich es realisieren? Wie sind meine Verpflichtungen? Kann ich xy Jahre meine Standards runterschrauben?

Wer sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheidet, ist erst mal die folgenden Jahre beschäftigt. Der Vorteil ist, dass man sich von seiner aktuellen Stelle aus informieren und dann dementsprechend planen kann. Wer vor hat, sich umzuorientieren ist gut damit beraten, nur wenige Vertraute einzuweihen. Besser ist es, wenn man den neuen Karriereweg so ruhig und besonnen wie möglich plant, ohne frühreife Ankündigungen im Kollegium zu machen. Am Besten ist es, man geht erst zum Chef - und wirklich erst zum Chef, nicht zum netten Pförtner - wenn man den Entschluss gefasst hat und sich realistische Gedanken gemacht hat. Auch sollte man zu dem Zeitpunkt schon einen gut durchdachten Plan in der Hand haben.

Bei dem zweiten Karriereweg ist Standhaftigkeit gefragt – vor anderen und vor sich selber. Denn man muss sich auf viele Fragen einstellen und während der Ausbildung bzw. Studiums seinen Lebensstandart nochmal runterzuschrauben ist auch nicht einfach. Da muss man schon sehr genau wissen, worauf man sich einlässt und was man erreichen will.

Mutig voran - denn oft lohnt es sich!

Ist der Karrierewechsel gelungen, profitiert der Arbeitgeber von der Lebenserfahrung seines neuen Mitarbeiters. Die macht locker mangelnde Berufserfahrung wett. Nicht zuletzt hat solch ein Mitarbeiter auch schon eine ausgereifte Arbeitsweise und ist verantwortungsbewusster als diejenigen, die von der Ausbildung bzw. Studium direkt in den Beruf einsteigen. Auch hat er so eine ganz andere Arbeitsmoral, die er sich bereits im Laufe der Jahre angeeignet hat: Er weiß schon, wie es geht und was vom Chef verlangt wird, ohne sich von externen Umständen großartig beirren zu lassen.

Grundsätzlich ist es für einen Karrierewechsel nie zu spät. So ein Richtungswechsel beweist starke Nerven und den Mut zur Eigenverantwortung. Gerade dann, wenn es in dem augenblicklichen Beruf eigentlich ganz gut läuft. So lernt man mit dem Berufswechsel nicht nur fachlich um, sondern schult auch seinen Charakter. Dies ist nicht nur ein persönlicher Gewinn, sondern auch für den späteren Arbeitgeber ein starkes Argument. Und diesmal bei dem Arbeitgeber in der Branche, die man sich bewusst und mit vollem Herzen ausgesucht hat.