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DAS UNTERSCHÄTZTE RISIKO: BERUFSUNFÄHIGKEIT WÄHREND DES FernSTUDIUMS

20. April 2017 von Fabian Haubner in Tipps & Ratgeber

Einer der Vorzüge der Jugend ist eine gewisse unbekümmerte Einstellung gegenüber der Zukunft. Man ist voller Pläne, Träume und Tatendrang, bei bester Gesundheit und negative Beeinflussungen des Lebenswegs scheinen fernab von allem, was möglich sein könnte. Das ist in vielerlei Hinsicht auch gut so, denn manche Entscheidung in jungen Jahren verlangt schon Mut und würde bei einem Übermaß an Zögerlichkeit wohl nie getroffen – oder eben ganz anders.

Wenn es um die Gestaltung der persönlichen Zukunft geht, sollte trotzdem nicht außer Acht gelassen werden, dass selbst bei den Besten etwas schief gehen kann. Das kann etwa eine verhauene Klausur oder ein schiefgelaufenes Bewerbungsgespräch sein. Was aber, wenn es etwas deutlich Ernsteres von sehr viel größerer Tragweite ist? Wenn beispielsweise von einem Moment auf den anderen das Ausüben des Traumberufs nicht mehr möglich ist? Klingt zum Beginn des Studiums vielleicht wie ein unrealistisches Schreckensszenario, ist oft aber sehr viel schneller ein relevantes Thema, als es einem lieb sein kann.

GESUNDHEIT IST DAS WICHTIGSTE – DOCH WAS, WENN SIE BEEINTRÄCHTIGT IST?

Es hört sich zwar an wie eine Binsenweisheit, aber es ist trotzdem eine Tatsache, dass die berufliche Zukunft stark von der gesundheitlichen Zukunft abhängt. Darüber macht sich natürlich niemand Gedanken, der ohne jedes Problem noch Sport machen und an den Wochenenden (vielleicht auch nicht ausschließlich an den Wochenenden) feiern gehen kann. Da liegen gesundheitliche Beeinträchtigungen, die der Beteiligung am Erwerbsleben einen unerwarteten Riegel vorschieben könnten, selbstverständlich in weiter gedanklicher Ferne.

Während des Studiums gibt es Vieles, worüber man sich Gedanken machen kann – die Möglichkeit, schon bald berufsunfähig zu sein, gehört aber sicher für die wenigsten dazu.


Tatsache ist aber ebenfalls, dass Berufsunfähigkeit keine Frage des Alters ist. Sicher ist der Anteil berufsunfähiger Menschen in einem Alter zwischen 20 und 35 Jahren mit rund sechs Prozent auf den ersten Blick recht niedrig. Niedriger ist aber auch das durchschnittliche Alter berufsunfähiger Neurentner – das hat inzwischen die 50-Jahre-Grenze schon unterschritten. Auch das ist, zugegeben, noch Zukunftsmusik für Studenten. Aber es verdeutlicht doch, dass das Risiko eines ungewollten vorzeitigen Ausscheidens aus dem Berufsleben nicht so fern ist, wie wahrscheinlich gedacht.

Das große Problem: Tritt wirklich schon während des Studiums ein Fall ein, der den „Tatbestand“ der Berufsunfähigkeit erfüllt, ist die finanzielle Absicherung eine prekäre Angelegenheit. Die im Versicherungsrecht eingetragene allgemeine Wartezeit verlangt, dass mindestens fünf Jahre lang Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geleistet werden müssen. Das heißt innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Eintritt der Erwerbsminderung müssen mindestens drei Jahre lang (60 Monate) Beiträge für eine versicherte Tätigkeit/Beschäftigung gezahlt worden sein. Erst dann besteht ein Anspruch auf die staatliche Erwerbsminderungsrente. Für Studenten und Berufseinsteiger ist das kaum zu schaffen.

DOPPELTE BELASTUNG DURCH DAS FERNSTUDIUM

Die Weiterbildung im Rahmen eines Fernstudiums ist in vielen Fällen nicht die einzige Aufgabe, die auf die Fernstudenten wartet. Häufig wird diese Bildungsmaßnahme noch neben einer beruflichen Tätigkeit wahrgenommen oder als sinnvolle Möglichkeit neben der Kindererziehung. Dadurch ergibt sich zwangsläufig mindestens eine Doppelbelastung – und zudem ein erhöhtes Risiko, schon vor dem Abschluss des Fernstudiengangs und noch vor dem Einstieg in das neue Tätigkeitsfeld berufsunfähig zu werden.

Gefragt ist also nicht nur ein überaus großes Maß an Selbstdisziplin und Organisationsaufwand, um das Fernstudium und andere (berufliche/private) Verpflichtungen miteinander vereinbaren zu können. Es besteht auch durchaus ein größeres Bedürfnis nach Absicherung, damit der Einsatz von Zeit und Mühe im Falle einer Erkrankung oder Verletzung nicht in schwerwiegende finanzielle Nachteile umschlägt. Das ist besonders dann problematisch, wenn die bisherige berufliche Tätigkeit wie oben beschrieben keinen ausreichenden Schutz für den Fall der Berufsunfähigkeit gewährleistet.

BEGRIFFLICHE NUANCEN BEACHTEN: BIN ICH NOCH BERUFSUNFÄHIG ODER DOCH SCHON ERWERBSUNFÄHIG?

Die Thematik rund um die Berufsunfähigkeit ist übrigens rein begrifflich gesprochen eine etwas holprige Angelegenheit. Was etwa keinesfalls gemacht werden sollte, ist die Verwechslung oder inhaltliche Vermischung von Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit. Zwischen beiden bestehen eindeutige Unterschiede und das gilt in gleicher Weise für die mit ihnen verbundenen Leistungen. Damit es nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt, sollte daher von Anfang an für Klarheit gesorgt werden:

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  • Als berufsunfähig gelten Personen, die – aufgrund eines Unfalls, einer zeitweisen oder auch einer dauerhaften Erkrankung – aller Voraussicht nach länger als sechs Monate ihrem bisher ausgeübten Beruf nicht nachgehen können.
  • Das heißt umgekehrt jedoch nicht, dass diese Personen generell erwerbsunfähig sind. Hierfür muss die (geistige oder körperliche) Beeinträchtigung eine so starke Einschränkung bedeuten, dass gar keine oder nur eine sehr beschränkte berufliche Tätigkeit möglich wäre – und zwar in jedwedem Beruf, nicht nur dem erlernten oder zuletzt ausgeübten.
  • Was mitunter ebenfalls zu Verwirrung führen könnte: Wer erwerbsunfähig ist, erhält schon seit 2001 keine (gesetzliche) Erwerbsunfähigkeitsrente mehr bzw. erhält er sie doch, allerdings seither unter dem Namen Erwerbsminderungsrente. Nur wer vor dem 1. Januar 1961 geboren wurde, hat noch Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Berufsunfähigkeitsversicherung.

URSACHENFORSCHUNG: GRÜNDE FÜR BERUFSUNFÄHIGKEIT

Trotz der bisherigen Ausführungen könnte sich der Eindruck halten, Berufsunfähigkeit oder gar Erwerbsunfähigkeit beträfen vornehmlich ältere Arbeitnehmer, gewissermaßen als Folge der jahrelangen Belastungen ihres Jobs. Dahinter stecken womöglich zwei grundlegende Missverständnisse bezüglich der Ursachen, die eine weitere vollwertige Teilnahme am Berufsleben nicht mehr erlauben.

  • Missverständnis 1: Eine Einschränkung der beruflichen Tätigkeit hat hauptsächlich körperliche Ursachen.

Nimmt man die Gründe für eine Berufsunfähigkeit zusammen, die tatsächlich auf Erkrankungen des Körpers beruhen (Erkrankungen des Gefäßsystems, Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates, Krebs und sonstige Erkrankungen sowie Unfälle), ist das wohl richtig. An erster Stelle stehen hier Schädigungen des Skelett- und Bewegungsapparates, was übrigens nicht allein körperlicher Schwerstarbeit geschuldet ist – das Stichwort lautet an dieser Stelle Ergonomie am Arbeitsplatz.

Deutlich zugenommen haben in den letzten Jahren allerdings psychische Erkrankungen, die inzwischen – für sich genommen – als häufigste Ursache für den Bezug einer Erwerbsminderungsrente feststehen. Sehr viel häufiger im Übrigen als Unfälle.

  • Missverständnis 2: Berufsunfähigkeit ist ein Thema, das erst in Zukunft relevant wird.

Das mag sein und es ist tatsächlich sogar wünschenswert, es würde überhaupt niemals relevant. Die Realität sieht allerdings anders aus und die Zahl derer, die vor dem Erreichen des Rentenalters berufsunfähig werden steigt weiter an. Da der Rentenbeginn erst mit 67 Jahren möglich ist, liegt also eine Menge Zukunft zwischen dem Studium / dem Start ins Berufsleben und dem normalen Austritt in den Ruhestand.

Dabei ist, wie oben bereits erwähnt, die Berufsunfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit beileibe kein Szenario, das lediglich für die älteren Generationen Gültigkeit besitzt. Was viele dabei ebenso außer Acht lassen, wie die Möglichkeit schon in recht jungen Jahren selbst betroffen zu sein: Das späte Renteneintrittsalter sorgt unter Umständen dafür, dass das Einkommen vieler Jahre verloren geht – was durch die staatlichen Unterstützungen aber eben nicht ausgeglichen werden kann. Selbst wer „erst“ mit 50 Jahren von der Berufsunfähigkeit ereilt wird, hätte noch 17 Jahre lang Geld verdienen können.

Ungleich härter trifft es daher junge Menschen, denen dieses Schicksal bereits während ihres Studiums oder kurz darauf blüht. Was aus vielerlei Gründen absolut möglich ist: Der berufliche Stress dürfte ein gänzlich anderer werden als der bis dahin bekannte Prüfungsstress, schon alleine deswegen, weil er nicht nach bestandener Prüfung vorerst überstanden ist, sondern als permanente Belastung bestehen bleibt.

Das Arbeiten unter Termin- und Zeitdruck, das Ableisten von Überstunden, unerwarteter Verantwortungsdruck oder ein ungewohntes Arbeitspensum – das gehört zur beruflichen Realität, macht aber gleichzeitig eine psychisch bedingte Erkrankung nur wahrscheinlicher. Stress ist da, als branchenübergreifender Faktor für Berufsunfähigkeit, nur der Anfang, auch eine Steigerung zu Angststörungen, Burn-Out oder Depressionen ist selbst in jungen Jahren nicht auszuschließen.

Die Zeit bis zur Rente ist lang, die Wahrscheinlichkeit, schon vor Erreichen des Rentenalters aus dem Berufsleben auszuscheiden recht groß.

RECHTZEITIGE ABSICHERUNG FÜR DEN LEBENSSTANDARD

Das sind natürlich die ungünstigsten Szenarien, aber letztlich geht es ja bei jeder Versicherung darum, sich gegen Risiken aller Art abzusichern. Dabei spielt nicht allein die Möglichkeit eines tatsächlichen Eintritts eine Rolle, sondern eben genauso die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Im Fall der Berufsunfähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit also schlicht und ergreifend die eventuell nicht mehr bestehende Chance, den Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten.

Für Studenten ist das damit verbundene finanzielle Risiko aus den oben genannten Gründen sehr hoch, allerdings macht es auch unter anderen Gesichtspunkten durchaus Sinn, das Thema Berufsunfähigkeit frühzeitig zu klären. Ein erster Faktor hierbei ist jedoch ebenfalls finanzieller Natur: Ein Einstieg in jungen Jahren bedeutet günstigere Prämien. Wer also schon während des Studiums eine entsprechende Versicherung abschließt, kann normalerweise von günstigen Konditionen und damit auch niedrigen Beiträgen profitieren. Dabei sollte es nicht irritieren, dass die zu diesem Zeitpunkt ausgezahlten Renten nicht sonderlich hoch sind – darauf kommt es in erster Linie (noch) nicht an.

Wichtiger sind zunächst die von Studentenseite positiven Zugangsvoraussetzungen: Ausgehend von der Annahme, dass die Krankengeschichte im Alter zwischen 20 und 25 Jahren kaum einen nennenswerten Umfang haben dürfte, sind auch die Bedingungen für Risikozuschläge nicht gegeben, von Leistungsausschlüssen und einer Ablehnung einer Versicherung ganz zu schweigen.

AUF DAS KLEINGEDRUCKTE KOMMT ES AN

So gut die Chancen auf eine vergleichsweise erschwingliche Berufsunfähigkeitsversicherung auch stehen mögen, sie sind keine Garantie dafür, den bestmöglichen Vertrag zu erhalten. Denn der Status als Student bietet auf der anderen Seite ausreichend viele Möglichkeiten, die Klauseln zu Gunsten der Versicherung zu gestalten. Spezielle Einsteigertarife etwa versprechen weiteres Einsparpotenzial – während des Studiums durchaus vorteilhaft –, bieten im Umkehrschluss aber nicht den vollen Versicherungsschutz – grundsätzlich immer nachteilig. Ebenfalls schwierig sind Klauseln, die etwa eine absehbare Berufsunfähigkeit für 24 Monate zur Bedingung für die Auszahlung der Rente zur Bedingung macht.

Blick in Richtung Zukunft: Im Berufsleben kann später viel passieren, darauf sollte auch der Versicherungsschutz eingestellt werden können.

Als besondere Problematik kann sich für Studenten die Verweisung herausstellen: Sie räumt den Versicherern die Möglichkeit ein, die Rentenanzahlung einzustellen mit Verweis auf einen anderen Beruf, den der Versicherte theoretisch aufgrund seiner bisherigen Lebenssituation und seiner Ausbildung ausüben könnte. Ein Verzicht auf diese abstrakte Verweisung ist dann womöglich an Bedingungen geknüpft (etwa das Absolvieren der halben Regelstudienzeit bei Eintritt der Berufsunfähigkeit). Abgesehen davon ist es mit dem vorläufigen Beruf „Student“ nicht ganz einfach, eine bestimmte Tätigkeit zu versichern. Das Ergebnis ist unter Umständen ein nicht vollumfänglicher Versicherungsschutz, der im ungünstigsten Fall auf eine reine Erwerbsunfähigkeitsversicherung hinausläuft.

Für Fernstudenten ist das Kleingedruckte ihrer Tarife besonders dann von Interesse, wenn bereits eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird, gleichzeitig aber eine Weiterbildung im Zuge eines Fernstudiums stattfindet. Tatsächlich ist eine solche Konstellation absolut möglich, dem Bezug der Rente steht zumindest für die Dauer des Studiums nichts entgegen. Nach dem Abschluss muss jedoch damit gerechnet werden, dass die Versicherung eine Nachprüfung der Berufsunfähigkeit vornimmt und – abhängig vom Ergebnis dieser Überprüfung – gemäß dem Verweisungsrecht die Zahlungen einstellt.

Wichtig für die Zeit nach dem Studium ist die Nachversicherungsgarantie. Die Voraussetzungen, die Rente nach dem Einstieg ins Berufsleben zu erhöhen und sie damit der aktuellen Lebenssituation anzupassen, sind allerdings unterschiedlich. Für gewöhnlich bieten wichtige Lebensereignisse – also etwa eine Hochzeit, die Geburt eines Kindes oder eine Einkommenserhöhung – den Rahmen und die Möglichkeit, die Versicherungssumme ohne Gesundheitsprüfung anzuheben. Ein letzter wichtiger Punkt ist die angepeilte Laufzeit der Versicherung: Es mag vielleicht noch in weiter Ferne liegen, dennoch sollte auch für Studenten mindestens das gültige Rentenalter der Maßstab sein.

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