• 2947 Kurse
  • 111 Anbieter
  • 6375 Erfahrungsberichte
Suchen Sie direkt nach Ihrem Fernstudium:
Kurse Menü Suche

Was es nach dem Fernstudium als „Freier Journalist“ zu beachten gibt: Beruf, Gehaltsperspektiven, Versicherungen

22. März 2017 von Fabian Haubner in Tipps & Ratgeber

Immer mehr Menschen streben in die Medienbranche und studieren ersteinmal „irgendwas mit Medien“. Auch im Bereich des Fernstudiums existieren mehrere Angebote rund um  das Thema Medien. Es gibt z. B.  die Möglichkeit, ein Fernstudium im Bereich Journalismus und Medien als Weiterbildung neben dem Beruf zu absolvieren. Insbesondere der Job des Journalisten ist heiß begehrt – egal, ob beim Radio, Fernsehen, bei der Zeitung oder im Internet. Doch je mehr Menschen in diesem Beruf arbeiten wollen, umso schwieriger wird es auch, in der Journalismusbranche Fuß zu fassen. Darüber hinaus wird das Berufsbild durch Trends wie die Digitalisierung maßgeblich beeinflusst und verändert.

JOURNALISMUS – EIN BERUF IM WANDEL

Einsparungen, Entlassungen, sinkende Auflagen, insolvente Verlage: Schon seit längerem befinden sich Printmedien in der Krise. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung greifen immer weniger Menschen auf die gedruckte Zeitung zurück. Denn die wichtigsten Nachrichten können inzwischen auch online nachgelesen werden – und das umsonst. Kein Wunder also, dass immer weniger Menschen eine gedruckte Zeitung lesen. Bei den 14- bis 29-Jährigen lesen nur noch 27 Prozent eine Tageszeitung. Mit der Veränderung der Medienlandschaft und des Leserverhaltens einher geht auch ein Wandel des Berufs des Journalisten – und zwar in vielerlei Hinsicht.

CROSSMEDIALE VERÄNDERUNGEN UND GESTIEGENE ANFORDERUNGEN

In der neuen, digitalen Medienwelt kommt es zu immer mehr Anforderungen an die Journalisten. Diese müssen nicht mehr einfach nur gut schreiben können und über breites Wissen in ihrem jeweiligen Ressort verfügen. Stattdessen sind darüber hinaus nun auch grundlegende Kenntnisse im Online-Bereich erforderlich. Mit dem Medium Internet müssen sie jedoch erst einmal umgehen können. Egal, ob Social Media Management oder Transmediales Erzählen, durch die Digitalisierung verändern sich die Aufgaben der Journalisten. Zu den neuen Erzählformen zählen beispielsweise auch die interaktiven, noch recht neuen Webreportagen. Journalisten bekommen darüber hinaus auf ihre Beiträge direkte Reaktionen und Feedback von Lesern auf Kanälen wie Facebook, was den Journalismus zu einem interaktiveren Beruf macht. Darauf haben jedoch viele Bildungsträger bereits mit entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Online-Journalismus reagiert.

Hinzu kommt auch, dass die Nachrichten online noch viel aktueller sein müssen. Wenn morgens die gedruckte Zeitung erscheint, sind viele der darin enthaltenen Nachrichten schon veraltet, weil im Internet oft im Stunden- oder sogar Minutentakt Aktualisierungen und Updates erfolgen. Gerade bei Live-Tickern zu verschiedenen Themen bleiben die Leser so immer auf dem Laufenden. Für die Journalisten bedeutet das jedoch auch, dass eine höhere Verfügbarkeit und damit längere Arbeitszeiten – in Form von Schichten und Wochenend-Arbeit – von ihnen erwartet werden, um die Leser in Echtzeit mit Informationen zu versorgen.

WENIGER CHANCEN AUF EINE FESTANSTELLUNG

„Journalist“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung: Grundsätzlich kann sich jeder, der schreibt, als Journalist bezeichnen. Seit der Digitalisierung hat insbesondere die Rolle von Blogs zugenommen, was den Beruf noch leichter zugänglich für nicht ausgebildete Journalisten macht. Immer mehr Menschen führen privat einen Blog oder versuchen, als Food- oder Modeblogger Geld zu verdienen. Darüber hinaus bieten immer mehr Zeitungen die „Leserreporter“-Funktion an, bei der Leser selbst interessante Bilder an die Redaktion schicken können. Die Konkurrenz in der Journalismusbranche wächst also aufgrund der Digitalisierung.

Nicht nur die sinkenden Verkaufszahlen der gedruckten Zeitung, auch der leichtere Zugang zu publizierenden Tätigkeiten im Internet, der steigende Konkurrenzdruck und die Beliebtheit des Berufs führen dazu, dass es immer schwieriger wird, eine Festanstellung als Journalist zu ergattern. So bekamen im Jahr 2013 nur noch etwa 30 Prozent der Jung-Journalisten eine Festanstellung. Die meisten von ihnen arbeiten dagegen inzwischen freiberuflich für eine oder mehrere Zeitungen. Das bedeutet zwar eine höhere Unabhängigkeit und mehr Flexibilität, aber auch, dass sie von jedem einzelnen Auftrag abhängig sind.

FLEXIBLE AUSBILDUNGSMÖGLICHKEITEN

Unter anderem durch die flexiblen Arbeitsbedingungen erfreut sich der Beruf einer wachsenden Beliebtheit. Für viele stellt die Tätigkeit eine interessante Alternative dar, da Quereinsteiger in der Branche inzwischen üblich sind. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zum Journalist oder Texter aus- und weiterzubilden oder eine entsprechende Zusatzqualifikation zu erwerben. So können Interessierte beispielsweise am Deutschen Journalistenkolleg in einem 18-monatigen Fernstudium die handwerklichen und fachlichen Grundlagen des Journalismus erlernen. An der Freien Journalistenschule können Ausbildungen mit den Schwerpunkten Journalismus, Medien und Öffentlichkeitsarbeit absolviert werden. Auch weitere Möglichkeiten für ein Journalismus-Fernstudium stehen ihnen zur Verfügung. Eine Ausbildung – beispielsweise über ein Fernstudium – ist auch berufsbegleitend oder nach Feierabend möglich.

AUF DER SICHEREN SEITE – VERSICHERUNGEN FÜR FREIE JOURNALISTEN

Freiberufler haben den Nachteil, dass sie sich selbst versichern müssen, da sie nicht bei der Gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. Freie Journalisten haben jedoch auch noch eine andere Möglichkeit: Sie können sich über die Künstlersozialversicherung, eine gesetzliche Krankenversicherung für Künstler und Publizisten, günstig krankenversichern und bezahlen dabei so wie Angestellte nur den Arbeitnehmeranteil. Der Rest wird vom Staat und von den Auftraggebern in Form der Künstlersozialabgabe getragen. Eine Zeitung, die einen freien Journalisten beauftragt, muss also die Künstlersozialabgabe bezahlen, die im Jahr 2017 bei einem Satz von 4,8 Prozent liegt.

Der Nachteil: Nicht jeder freie Journalist kann in die Künstlersozialversicherung aufgenommen werden. So müssen für die Aufnahme in die Künstlersozialversicherung mehrere Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Der freie Journalist muss seine publizistische Tätigkeit hauptberuflich und nicht nur vorübergehend ausüben. Wird die Arbeit als freier Journalist etwa als Nebentätigkeit neben dem Studium ausgeübt, besteht keine Versicherungspflicht in der KSV.
  • Im Zusammenhang mit der Tätigkeit darf nicht mehr als ein Arbeitnehmer beschäftigt werden.
  • Ein jährliches Mindesteinkommen von 3.900 Euro wird ebenfalls vorausgesetzt. Eine Ausnahme sind die Berufseinsteiger: In den ersten drei Jahren der Erwerbstätigkeit wird kein Mindesteinkommen vorausgesetzt.

Die Höhe der Beiträge wird nach dem voraussichtlichen Jahreseinkommen des freien Journalisten berechnet. Im Oktober 2016 galten dabei die folgenden Beitragssätze:

  • Gesetzliche Rentenversicherung: 18,7 %
  • Gesetzliche Krankenversicherung: 14,6 %
  • Soziale Pflegeversicherung (kinderlose Versicherte): 2,6 %

Hat der freie Journalist also ein voraussichtliches Jahreseinkommen von 20.000 Euro, muss er mit monatlichen Künstlersozialversicherungsbeiträgen von etwa 150 Euro rechnen. Als Orientierung für die Einschätzung des voraussichtlichen Jahreseinkommens kann der letzte Einkommenssteuerbescheid herangezogen werden. Gemäß des allgemeinen Gewinnermittlungsverfahrens des Einkommenssteuerrechts werden hier die Betriebseinnahmen mit den Betriebsausgaben gegengerechnet.

GEHALTSPERSPEKTIVEN – SO VIEL VERDIENEN FREIE JOURNALISTEN

Während festangestellte Journalisten durchschnittlich einen Jahresbruttolohn von 50.000 Euro bekommen, sieht die finanzielle Lage bei freien Journalisten anders aus. Sie werden in der Regel pro Artikel, Zeile oder Zeichen bezahlt – je nach Zeitung gelten unterschiedliche Honorarbedingungen. Meistens liegt das Honorar bei nur wenigen Cent pro Zeile. Wer nicht nur die Artikel schreibt, sondern auch eigene Bilder dazu liefert, verdient meist noch zwischen 15 und 25 Euro pro Bild. Grundsätzlich ist das Honorar jedoch nicht nur abhängig von der Zeitung, sondern auch von der Story. Doch die Durchschnittszahlen wirken teilweise erschreckend. Denn viele freie Journalisten geben an, von ihren niedrigen Honoraren kaum leben zu können. So verdienten laut einer Umfrage des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) aus dem Jahr 2014 freie Journalisten im Durchschnitt weniger als die Hälfte von dem, was tariflich bezahlte festangestellte Journalisten verdienen. Verdienen freie Journalisten durchschnittlich noch 2.440 Euro im Monat, liegt das durchschnittliche Monatsgehalt freier Journalistinnen bei nur 1.895 Euro. Nach Abzug der Steuern und Versicherungsbeiträge bleibt da oft nicht mehr viel übrig.

Das bedeutet, dass freie Journalisten stark von der Auftragslage abhängig sind, um finanziell über die Runden zu kommen. Je mehr Aufträge sie bekommen und je mehr Artikel sie schreiben, umso besser. Das erhöht oftmals jedoch auch den Druck auf die freien Journalisten – besonders, wenn es zu schwankenden Auftragslagen kommt oder sie wegen Krankheit ausfallen. Denn dann müssen sie automatisch mit weniger Geld im Monat auskommen.

FAZIT – TRAUMBERUF MIT TÜCKEN

Der Journalismus bleibt auch weiterhin für viele ein Traumberuf mit Pros und Contras während des Studiums. Leute, die in dieser Branche Fuß fassen möchten, müssen sich auf einige grundlegende Veränderungen einstellen. Mit der Digitalisierung wird der Job stressiger und anspruchsvoller, gleichzeitig sinken die Chancen auf eine Festanstellung bei einer Zeitung. Freie Journalisten müssen sich mit einem hohen Konkurrenzdruck, schwankenden Auftragslagen und teilweise sehr niedrigen Honoraren abfinden. Zumindest in punkto Versicherungen gibt es für die freien Journalisten Lichtblicke. Denn unter bestimmten Voraussetzungen haben diese Anspruch auf Leistungen der recht günstigen Künstlersozialversicherung. Damit entfällt die oft teure private Versicherung, auf die viele Freiberufler und Selbstständige ansonsten angewiesen sind. Bei einem niedrigen Gehalt wie dem der freien Journalisten ist das ein entscheidender Vorteil.

Bildquellen: Bild 1: fotolia.com © peshkova (#111416816) Bild 2: fotolia.com © contrastwerkstatt (#125045428) Bild 3: fotolia.com © olly (#96069617)
 

Neuen Kommentar schreiben